
Die chinesische Medizin besteht nicht nur aus der Akupunktur, sondern auch aus vier weiteren Pfeilern: Der Tui-Na-Massage, der Kräuter-Heilkunde, der 5-Elemente-Ernährung und dem Qigong. Als umfassendes, prophylaktisch verstandenes System dient es der proaktiven Pflege von Gesundheit und Vitalität; Krankheit entsteht in diesem Kontext erst dadurch, dass man seine Gesundheit nicht ausreichend gepflegt, sogar eine Reihe von Fehlern in der Lebensführung begangen hat.
Qigong kann man als eine Sammlung von Methoden zu Konzentration, Geistlenkung, Sensibilisierung und Energiesteigerung verstehen. Es steht als Übung für sich alleine, historisch betrachtet hat es sich im Kontext der altchinesischen Kampfkünste entwickelt. Und wohlverstandene Kampfkünste sind seit jeher Lebenskünste, um mit Schwierigkeiten aller Art umgehen zu lernen – heutzutage, in Zeiten, in denen das Wort „Resilienz“ in aller Munde ist, um den Herausforderungen der Polykrise begegnen zu können, zeigt sich die Wahrheit dieses Satzes.
Qigong nimmt seinen Anfang mit der Legende von Huangdi: Der „Gelbe Kaiser“ hatte zu seinen Lebzeiten von seinem Hofarzt erfahren, dass die Menschen vormals hundert Jahre lebten, ohne dass ihre Lebenskraft schwächer geworden wäre. Nunmehr ließen ihre Kräfte schon im Alter von 50 Jahren nach… Woran das liege, fragt der Gelbe Kaiser und bekommt zur Antwort:
„… (die Menschen) waren maßvoll in ihrer Ernährung und ihren Tätigkeiten. Sie vermieden die Überforderung, gaben acht, ihrem Körper und ihrem Geist nicht zu schaden… Die Menschen heutzutage handeln nicht mehr in gleicher Weise, sie betrinken sich mit Alkohol, sind vermessen und verschwenderisch. Die Leidenschaften erschöpfen ihre Lebenskraft und vergeuden ihren natürlichen Atem. Die Weisen des hohen Altertums lehrten jeden, rechtzeitig die widernatürlichen Formen der Erschöpfung zu vermeiden und durch Ruhe und Konzentration ihren natürlichen Atem zu kontrollieren, um ihren Geist im Inneren zu halten, damit sie den Krankheiten keine Angriffsfläche bieten.“
So steht’s im Huangdi Neijing, dem ältesten medizinischen Werk Chinas, demgemäß Huangdi ungefähr 2600 v. Chr. gelebt haben soll. Es gilt als Grundlage der chinesischen Medizin wie der Bewegungskünste Ostasiens, die untrennbar mit Gesundheit, Beweglichkeit und Vitalität verbunden sind. Liest man die zitierten Worte, so liegt die Feststellung nahe, dass Jahrtausende später die meisten Menschen immer noch nichts dazu gelernt haben – denn heutzutage kann man Zivilisationskrankheiten als Erschöpfung der Lebenskraft durch den zeitgenössischen Lebensstil interpretieren.
Dies ist der erste Teil einer mehrteiligen Serie zu Qigong; Fortsetzung folgt…
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