
Das medizinisch orientierte Qigong reduziert die relativ schwierigen und langwierigen Techniken des religiösen wie philosophischen Ansatzes (siehe Teil IV der Qigong-Serie) auf die, die für Ungeübte einfacher zu erlernen und deswegen in der Therapie unmittelbar nutzbar sind. Diese sind in der Heilpraxis relevant: Es wird die spezielle Qi-Situation des Patienten beurteilt und dann passend Akupunktur, Tui-Na-Massage, Kräuter und/oder Qigong „verordnet“.
Das medizinische Qigong fußt mehr auf daoistischen Ideen von einem Leben in Gesundheit und Wohlbefinden, sowie dem spirituellen Verständnis der Einheit von Mensch, Natur und Dao. Die Grundidee dabei ist, dass der Mensch im Zuge der Zivilisation seine natürlichen Instinkte verloren hat und so viele Fehler begeht, die sich gesundheitsschädlich auswirken.
Er hat verlernt, auf seinen Körper zu hören und die vorhandenen Fähigkeiten zur Selbstheilung verloren. Das medizinische Qigong soll prophylaktisch das natürliche Empfinden wiederherstellen; und bei Erkrankungen die energetischen Disharmonien beseitigen und helfen, zu einem stabilen Gleichgewicht zurückzukehren.
Wenn man moderne Begriffe verwenden will, entwickelte sich im Shaolin-Kloster im 6. Jahrhundert eine Art Fitness-Qigong, das Übungen zur Muskel- und Sehnenstärkung (und auch Yoga-Einflüsse aufwies) enthielt und die überwiegend in sitzender Meditation verharrenden Mönche kräftig und beweglich hielt. So wurde auch ihr Durchhaltevermögen und ihre Ausdauer gestärkt.
[Tatsächlich wurde im Shaolin-Kloster Jahrhunderte später Qigong zwischen die Übungen der eigentlichen Kampftechniken geschoben, um den aggressive Charakter der Kampftechniken auszugleichen und einem Ungleichgewicht vorzubeugen. Um den Charakter zu formen, wurden zu den Kampftechniken zusätzlich Meditationen gelehrt, um über das Gelernte zu reflektieren, die eigene Seele zu erforschen („was es mit einem macht“) und zur Selbsterkenntnis zu gelangen.
Fortsetzung folgt…
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